Jagdsaison

Jagdsaison – Ein mörderischer Reisebericht

 

Viel Arbeit und Herzblut ist in mein Romandebüt geflossen, nun ist es endlich erhältlich bei:

Taschenbuch

Jagdsaison bei Autorenwelt (fair Bücher kaufen)

Jagdsaison bei Books on Demand

Jagdsaison bei buecher.de

Jagdsaison bei Hugendubel

Jagdsaison bei Thalia

Jagdsaison bei ebook.de

Jagdsaison bei amazon.de

…und natürlich beim Buchhändler deines Vertrauens!

E-Book

Jagdsaison bei Books on Demand

Jagdsaison bei buecher.de

Jagdsaison bei Hugendubel

Jagdsaison bei Weltbild

Jagdsaison bei Thalia

Jagdsaison bei ebook.de

Jagdsaison bei amazon.de

 

Und worum geht’s?

Wo lässt es sich besser verschwinden als in den endlosen Wäldern Schwedens? Diese Frage stellen sich Frederika, Lars und Karl – wenn auch aus sehr unterschiedlichen Motiven.

Eine junge Frau, die ziellos in den Norden flieht, weil ihre Zukunftspläne zerstört zu sein scheinen. Ein Mann, der seiner finsteren Leidenschaft sein ganzes Leben unterordnet – und nicht nur das eigene. Ein abgehalfterter Polizist, der sich einzig und allein nach der Rente sehnt. Bald verbindet die drei weitaus mehr als nur die Sehnsucht nach Glück im einsamen Nordschweden.

 

Du willst mehr wissen?

 

Trailer zum Buch auf Youtube: https://youtu.be/WzGa954FamI

 

↓   Leseprobe

 1 –

 

Einfach nur weg, das war ihr einziger Gedanke gewesen, wohin, war eigentlich egal. Frederika hatte ihr Konto aufgelöst und, als sie ihre Ersparnisse – immerhin noch gut 4000€ –  in den Händen hielt, fast schon betäubt nach einem Ziel gesucht. Nach allem, was geschehen war, war ihr das „Wohin“ im Grunde gleichgültig gewesen und, wenn sie ehrlich war, auch, ob sie jemals wieder zurückkehren würde.

Doch Spanien, Italien, Kroatien … das hatte ihr dann doch alles zu sehr nach vollem Strand mit Unmengen feuchtfröhlich feiernden Menschen geklungen. Schon beim Gedanken an knutschende Pärchen wurde ihr spontan übel, und so war sie schließlich erst einmal etwas ziellos gen Norden aufgebrochen. Ende Februar sollte dort alles, selbst die Strände, etwas leerer sein und ihrem Wunsch nach Einsamkeit entsprechen.

Wohin oder auch nur dass sie unterwegs war, hatte sie niemandem gesagt. Wem auch? Mit ihren, zumeist deutlich jüngeren, Kommilitonen hatte sie kaum Kontakt, die meisten anderen Freundschaften waren über die Jahre hinweg längst eingeschlafen und die Familie … Nein, an ihre Eltern mochte sie jetzt nicht denken.

Also hatte sie ihre Sachen bei einem Bekannten untergestellt, der ihr einen Gefallen schuldig war, und war dann stillschweigend aus der Stadt verschwunden. Klammheimlich hatte sie sich aus dem Mietvertrag streichen lassen – sollte Christoph doch mal sehen, wie er mit den anfallenden Kosten allein zurechtkam, dachte sie später hämisch. Die Mitteilung des Vermieters würde er bestimmt ignorieren, naiv und faul bis zur Verantwortungslosigkeit, wie er in solchen Dingen gewöhnlich war. Wobei er sich vermutlich auch diesmal irgendwie schadlos aus der Angelegenheit herauslavieren würde, so wie sie ihn kannte. Er hatte schon immer unverschämtes Glück gehabt, ohne jemals etwas dafür tun zu müssen oder es zu schätzen zu wissen.

Erst sehr viel später, unterwegs im Zug, war die Wahl auf Skandinavien gefallen, ohne dass sie genau hätte sagen können, weshalb. Doch allein beim Wort Schweden hatte sich in ihrem Kopf sogleich ein Bilderbuch aus nebelverhangenen Wäldern, zerklüfteten Felsen, abenteuerfilmgleichen Panoramen und schnuckeligen Städten entfaltet, obschon sie noch nie eines der Länder im Norden besucht hatte. So oder so schien es ihr die richtige Gegend zu sein, um den Kopf freizubekommen und die eine oder andere Entscheidung zu fällen. Vielleicht auch, um zu verschwinden und nicht mehr aufzutauchen. Bestimmt gab es dort reichlich abgelegene Gegenden, in denen man sie erst nach Jahren oder Jahrzehnten und lediglich durch einen Zufall entdecken würde. Dann wäre sie ein namenloses, schon halb mit der Natur verwachsenes Skelett. Der Vorstellung wohnte etwas morbid Tröstliches inne.

Die ersten zwei Wochen in Deutschland waren an Frederika –  die sich normalerweise selbst bloß Fred nannte, weil ihr der ganze Name viel zu sperrig und altmodisch war – vorbeigezogen. Sie hatte weder von ihnen noch ihrem Inhalt Notiz genommen. Obwohl sie nacheinander in Schwerin, Hamburg, Kiel und Flensburg gewesen war, hätte sie kaum ein Wort darüber sagen können, was sie dort gesehen oder getan hatte, eine Stadt folgte gesichtslos auf die vorangegangene. Schwerin war hübsch und wasserreich, Hamburg dagegen abweisend und verregnet gewesen, meinte sie sich zu erinnern.

Aber was sie sich auch anschaute, wie interessant oder schön ihre Umgebung auch sein mochte, ihre Gedanken blieben zuhause. Drehten sich immer nur um die ganze Verschwendung, die ganze Sinnlosigkeit der vergangenen Jahre. Kaum war sie für einen Moment abgelenkt, schob sich wieder dieses eine Bild vor ihr inneres Auge, das sie so dringend vergessen wollte. Susanne, diesen Judas, kannte sie schon seit gefühlten Ewigkeiten und wusste gar nicht, von wem sie nun enttäuschter sein sollte. Wie, wieso und wie lange das bereits ging, hatte sie gar nicht mehr erfahren, auch seine lächerlichen Entschuldigungen nicht mehr hören wollen. Kannte sie sie doch zur Genüge. Susanne dagegen hatte nicht erst versucht irgendetwas zu erklären. Vielleicht, weil sie gewusst hatte, dass es nichts gab, das ihr Verhalten tatsächlich gerechtfertigt hätte.

Erst in Kopenhagen wurde es langsam besser. Nach der langen Zugfahrt und einer Nacht in der billigsten Herberge, die sie auf die Schnelle hatte finden können, glaubte Fred zum ersten Mal ihre Umgebung wenigstens wahrzunehmen. Fast behutsam sah sie sich in der dänischen Hauptstadt um, mit Augen, Nase und Ohren um sich tastend, wie ein Tier, das zum ersten Mal den Zoo verlässt, in dem es aufgewachsen ist. Zwar regnete es die folgenden Tage eigentlich ununterbrochen, doch da Fred nicht gewusst hatte, wohin ihre Reise sie führen oder wie lang sie dauern würde, war sie hervorragend ausgestattet aufgebrochen. Unter der großen Kapuze ihrer feuerroten Regenjacke fühlte sie sich wohl und geschützt, zumal bei diesem Wetter viel weniger Menschen unterwegs waren.

Daher taperte sie nun gemächlich durch die nassen Straßen und bewunderte das gewaltige Schloss Christianborg, das altmodisch geziegelte Rathaus und, im Kontrast dazu, das futuristische Opernhaus. Grundsätzlich gefielen ihr historische Gebäude, die von längst vergangenen Zeiten zeugten, besser als ihre modernen Nachbarn. Aber gerade zumindest war beides interessant anzusehen. Um genau zu sein, war alles interessant, das genügte, um sie abzulenken und sie sog Bilder und Eindrücke in sich auf wie eine Verdurstende das erste Wasser.

Einmal kehrte Fred in ein kleines Café ein, aß langsam heißen Schokoladenkuchen und war glücklich, zum ersten Mal seit langer Zeit einfach gar nichts zu fühlen. Diese Leere, die sie früher als so unangenehm und quälend empfunden hatte, war ihr nun, nach all der Verzweiflung und den kreisenden Gedanken, mehr als willkommen. Bloß den Tivoli, so berühmt er auch war, hatte sie ausgespart, denn dessen farbenfroher Trubel schien ihr in der aktuellen Situation dann doch etwas zu viel des Guten.

Am folgenden Tag besuchte sie das ebenso schöne wie anrüchige Christiania, ein wenig das Aroma längst vergangener Freiheit schnuppernd. Etwas wehmütig wurde ihr klar, dass sie den anarchistisch– kreativen Stadtteil gerne einmal zu seinen Hochzeiten erlebt hätte und nun wohl nur noch ein Abklatsch dieser Stimmung zu spüren war. Andererseits hätte sie dann vermutlich ohnehin nichts damit anzufangen gewusst, so schüchtern wie sie meistens war und so wenig sie oft mit Menschen umgehen konnte, wenn sie ihr näher kamen. Nebenbei stellte sie fest, dass es in der ganzen Stadt, obgleich so groß, keine echten Hochhäuser zu geben schien. Ein angenehmer Unterschied zu anderen Metropolen. Später schlenderte sie durch Nyhaven, ein pittoreskes Hafenviertel aus alten, bunt gestrichenen Häusern. Am frühen Abend setzte sie sich dort in eine urige Kneipe und nippte vorsichtig an ihrem ersten Bier seit Langem. Was nun?

 

Lars starrte nunmehr schon seit Stunden aus dem Autofenster. Er langweilte sich nie dabei, im Gegenteil, er genoss die vorbeirauschende Landschaft, es hatte eine beinahe meditative Wirkung auf ihn. Diese hier gefiel ihm besonders gut, besser als die meisten Gegenden in Italien, Kroatien, Frankreich und all den anderen Ländern, in denen sie bereits gewesen waren. Schon als Kind war er auf langen Strecken nie quengelig gewesen. So wie bei den Ausflügen mit seiner Familie an die Küste. Bei denen war seine kleine Schwester, einem blond gelockten Flummi gleich, spätestens nach einer halben Stunde auf dem Sitz herumgehibbelt, die Geduld aller Mitfahrer mit endlosen Fragen nach Eis, Toilette oder Zielort auf die Probe stellend … Nein, daran wollte er sich gerade lieber nicht erinnern, ihr süßes, pausbäckiges Gesicht verfolgte ihn ohnehin schon oft genug in seinen Träumen.

Sowieso fuhr der Ältere fast immer, und wie üblich wäre eine Diskussion darüber vollkommen fruchtlos gewesen. Lars hatte sich daran gewöhnt ihm zu gehorchen, ohne viele Fragen zu stellen, und war allermeistens sehr zufrieden mit dessen Entscheidungen. Nun blickte er wieder hinaus in die dichten, dunklen Wälder, nur selten unterbrochen von kleinen Wiesen und Äckern, über denen der Morgennebel lag. Auf einem davon entdeckte er drei Rehe, die schlanken Hälse gestreckt, den schmalen Kopf aufmerksam in ihre Richtung gewandt, fluchtbereit. Sie waren auf der Hut vor ihnen, abschätzend, ob sie wohl eine Gefahr darstellen würden. Jederzeit bereit, hakenschlagend das Weite zu suchen. Es gab viel Wild hier, stellte Lars still fest, als sie vorübergefahren waren. Vielleicht sollten sie einmal nach einem Hirsch oder Wildschwein auf die Pirsch gehen. Einfach zur Abwechslung.

 

Er hatte keine Lust. Also nicht, dass er sonst besonders viel Lust gehabt hätte, aber heute war er speziell schlechter Laune. Das Wetter war scheiße und der tägliche Hustenanfall nach dem Aufstehen war an diesem Morgen fast doppelt so lang ausgefallen wie sonst. Kurz und unmotiviert spielte er mit dem Gedanken, das Rauchen aufzugeben und meinte es nicht einmal im Ansatz ernst, auch das eine Gewohnheit. Dem dicken Bauch, den Tränensäcken und grauen Haaren im Spiegelbild schenkte er schon lange keine Beachtung mehr. Immerhin trank er nicht – oder zumindest nicht exzessiv –  wie so viele seiner Kollegen, tröstete er sich selbst. Obwohl ihm im Grunde auch das egal gewesen wäre.

Im Gegensatz zu denen hatte es ihn auch nicht sonderlich tief ins Ego getroffen, als er vor einem halben Jahr wegen Rückenproblemen und mangelnder Kondition in den Innendienst versetzt worden war. Das ganze „draußen an vorderster Front seinen Mann stehen …“ –  nein, das lag ihm definitiv nicht. Er hatte auch weder wilde Romantik noch Heldentum darin erkennen können. Für ihn hatte die Polizei nie Leidenschaft, sondern immer nur einen sicheren Arbeitsplatz bedeutet. Dazu war es enorm schwer, gefeuert zu werden, was auch ganz nützlich sein konnte. Schon als Junge hatte er weder besondere Begabungen, Talente oder irgendwelche Interessen gezeigt, die ihn für etwas anderes hätten geeignet scheinen lassen. Und auch später in seinem Leben hatte er nie irgendetwas Tolles abgeliefert, war immer bestenfalls unterer Durchschnitt gewesen und nur eben so weit aufgestiegen, wie es seinem Dienstalter entsprach.

Das Einzige, was ihn zu ernsthaften Emotionen rührte, was er wirklich hasste, waren Krimis. Diese albernen Fernsehproduktionen, in denen junge Polizisten mit dem Scharfsinn eines Sherlock Holmes und der Physis von Unterwäschemodels schlafwandlerisch Fälle von der Komplexität eines Schachspiels lösten. „Verdammte Bullen!“, fluchte er lauthals vor der Flimmerkiste, wenn er so etwas im abendlichen Programm sah, und zählte die Jahre bis zur Rente.

 

Hintergrund

Skandinavische Autoren wie Jo Nesbø oder John Ayvide Lindqvist gehören auch zu meiner Lektüre und zieren mein Bücherregal. Nun bin ich zwar keine Schwedin, durfte das Land zu meinem Glück jedoch mehrfach bereisen. Aus diesem Grund erschien es mir logisch, auch die Erzählung überwiegend aus der Perspektive Reisender und nicht Einheimischer zu verfassen. Dass ich bereits dort unterwegs war, half mir zudem, die Schauplätze möglichst realitätsnah und lebendig zu schildern. Nicht zuletzt: Spaß gemacht hat es auch!

 

Hinweis

Wenn euch gefällt, was ihr lest, ihr noch nie in Schweden wart und gerne einen Blick darauf werfen würdet oder ihr eben doch dort wart und euch ein paar Erinnerungen wachrufen möchtet: Schaut in den kommenden Wochen noch einmal rein – ich werde nicht nur ein Gewinnspiel, sondern auch eine auf die Buchkapitel abgestimmte Fotoserie online stellen.

🙂