Cover von Wild Card - Ein postapokalyptischer Roadtrip

Wild Card: Bonusmaterial!

 

Lust auf mehr? Wenn ihr die „neue Welt“ nach dem Meteoriteneinschlag und Kores Leben noch ein wenig besser kennenlernen möchtet, seid ihr hier genau richtig. Denn hier gibt’s Bonusmaterial zu Wild Card: Fotoserie und eine Bonusszene!

Wie sieht die Welt nach uns aus? Was ist übrig? Wie gestaltet sich der Alltag? Diese Fotoserie bringt euch einer Vision der neuen Welt ein wenig näher …

 

Bildrechte: Nina Casement

 

Ein Buch ist, nicht anders als ein Film, eine Auswahl. Manche Szene hat es aus dem einen oder anderen Grund nicht hineingeschafft – dieses kleine „Outtake“ möchte ich euch nicht vorenthalten!

 

Bonusszene Wild Card

 

Ob es echt war? Minutenlang war Kore sich relativ sicher, dass es sich bloß um eine Einbildung handelte. Oder Schlimmeres. Natürlich lief sie trotzdem darauf zu, hilflos angezogen wie die Motte vom Licht.

„Im wahrsten Sinne des Wortes …!“, kicherte Chloe nervös gegen die Hoffnung an.

Eigentlich hätte sie längst ihr Lager aufschlagen sollen, es war bereits stockfinster. Doch die Strecke war halbwegs eben und gelegentlich erlaubte ihr ein diesiger Halbmond etwas Weitsicht. Immerhin hatte sie sich im Laufe des Tages ein großes Bündel Holz auf den Rucksack geschnallt, in der etwas optimistischen Erwartung, dass es dort ein wenig abtrocknete. Direkt darunter steckte eine Tüte mit einem Glas rote Bete, zwei Schokoriegeln und einer kleinen Packung Katzenfutter – ein echtes Geschenk, wegen der Proteine. Also war eigentlich alles gut. Aber dieses Licht …

Beim Näherkommen schälte sich auch dessen Ursprung aus der Dunkelheit: Ein quadratisches Betongebäude, nicht größer als ein Gartenhaus, das sich an einen Hang schmiegte. Das sollte es sein? Aber es war unzweifelhaft: Über der hässlichen Stahltür brannte eine kleine Lampe. Rundherum jedoch war alles kahl, nichts ließ darauf schließen, dass irgendjemand in dieser Ödnis ausharrte. Aber jemand musste sie ja angeschaltet haben! Unsicher lief sie darauf zu, derweil die Sehnsucht nach einem Gesicht, einer Stimme ihr fast das Herz zerquetschte. Die Tür schwang leise quietschend nach innen auf, als sie zu klopfen versuchte.

„Hallo …?“

Drinnen rührte sich nichts, doch von irgendwoher strömte weiteres Licht. Vorsichtig trat Kore einen Schritt ins Innere – wobei der hinter ihr niedergehende Platzregen zusätzliche Motivation in ihr entfaltete. Im Schein ihrer Taschenlampe bot sich ein chaotisches Bild: Drei Blechspinde, ein funktionaler Tisch, undefinierbare Plastikobjekte und Kabel auf dem Boden, an der Wand eine Art Kasten. Zudem eine halb offene Tür, aus der der helle Schimmer drang, dahinter erkannte sie einige Treppenstufen abwärts. In dem kleinen Gebäude herrschte durchdringende Stille. Vielleicht schliefen der oder die Bewohner? Vielleicht war gerade niemand hier? Aber wozu dann gleich zwei Lichter brennen lassen? Sollte sie einfach hinuntergehen? Riskierte sie einen vorwarnungslosen Kopfschuss? Trotz aller Bedenken war ihr regelrecht übel vor Hoffnung. Denn sie war sicher, dass, wer auch immer dieses Licht am Brennen hielt, in dieser Gegend unmöglich so lange allein überlebt haben konnte. Und das wiederum bedeutete, dass hier weitere Menschen sein mussten.

Nun gab es keine Ausrede mehr, Kore musste hinunter. Noch einmal tief durchatmen, dann tastete sie sich abwärts, behutsam Fuß vor Fuß setzend, mit einer Hand ihr Messer, mit der anderen das Metallgeländer umklammernd.

„Hallo?“, diesmal flüsternd.

Niemand antwortete. Kore biss sich auf die Lippen. Unten angekommen, tauchte sie in das Licht einer flackernden Neonlampe ein. Mehr Spinde, mehr Kabel und Papier auf dem Boden, einige Kanister und in der Ecke … eine menschliche Gestalt. Sie lag in eine Decke gewickelt da, augenscheinlich schlafend, nur der Haarschopf schaute heraus. Leichte Enttäuschung machte sich breit, weil es nur ein Einziger war – doch das allein sagte noch nichts aus, oder? Schon hinter dem Hügel konnten mehr sein!

Kore zögerte, näher zu treten und ihn einfach anzufassen: In der neuen Welt mochte es erschreckend sein, auf diese Art geweckt zu werden. Sie sah eine leichte Bewegung unter der Decke.

„Entschuldigung? Ich möchte dich nicht erschrecken …“

Keine Reaktion. Doch, da, der Kopf ruckte ein Stück, als wolle er sich zu ihr umdrehen, tat es jedoch nicht. Außerdem gab er keinen Laut von sich. Ob er krank oder verletzt war? Kore hätte nicht ausdrücken können, warum sie sich so scheute ihn zu berühren, doch sie empfand einen intensiven Widerwillen. Schließlich tat sie es doch, wenn auch nur, um den eigenartigen Knoten in ihrer Brust zu lösen. Vorsichtig griff sie nach der Schulter unter dem dicken Wollstoff und schüttelte sacht. Sie fühlte sich seltsam an. Irgendwie falsch, aber sie kam nicht darauf, wieso. Erneut rührte sich etwas unter der Decke, immerhin.

„Verzeihung?“

Plötzlich kippte der Mensch vor ihr auf den Rücken. Sein Gesicht war entstellt, die Haut spannte verzerrt über den eingefallenen Wangen. Leere Augenhöhlen stierten zu ihr auf. Noch während Kore ihn anstarrte, ging ein Zucken durch das tote Gesicht, der Kiefer schien kurz zu mahlen, dann wurde der Mund aufgedrückt und eine schleimige Ratte schoß heraus. Gleich darauf folgte ein zweites glitschiges Tier. Kore schrie auf vor Entsetzen, stolperte zurück und rannte wie vom Teufel gejagt hinauf und hinaus. Nicht einmal das Unwetter oder der schwere Rucksack konnten sie davon abhalten, sie rannte, bis sie nach Atem rang. Als sie von Weitem noch einmal zurückblickte, schimmerte das Mondlicht auf dem Dach: Solarplatten. Die ganze Zeit hatten Solarplatten das Licht am Leben erhalten, vielleicht schon seit Monaten, vielleicht sogar von Anfang an!

Schluchzend und klatschnass verkroch sie sich unter einem überdachten Fahrradständer neben ein paar einsamen Bahngleisen, dem einzigen Unterschlupf, den sie hatte finden können. Es dauerte, bis sie sich imstande sah, ein Feuer zu entzünden und etwas zu essen, immer wieder durchkreuzte das schaurige Totengesicht ihre Gedanken und schüttelte sie regelrecht vor Grauen. Gleichzeitig liefen ihr Tränen der Enttäuschung über die Wangen. Das war unfair. Einfach nur unfair.

„Egal, wir müssen weiter … Nächstes Mal klappt es bestimmt!“, wisperte Chloe tröstend und Kore blieb nichts, als ihr zuzustimmen.

 

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